Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

am kommenden Montag steht der verantwortliche Redakteur der Internetseite www.bo-alternativ.de vor Gericht. Sie klagen ihn an, mit der Veröffentlichung des Plakates, das gegen einen Nazi-Aufmarsch mobilisierte, zur Gewalt aufgerufen zu haben.

Sehr viele Menschen in Bochum halten diesen Vorwurf für unbegründet. Allen denen, die regelmäßig bo-alternativ.de lesen oder - wie viele von uns - den von Ihnen Beschuldigten lange kennen, fällt es schwer, Ihre Anklage nachzuvollziehen. Das Plakat verfolgte das Ziel, zur friedlichen Verhinderung des Nazi-Aufmarsches zu mobilisieren, und nicht anders haben sich Martin Budich und über 2000 Demonstrantinnen und Demonstranten dann auch verhalten.

Wir möchten gerne in einer Stadt leben, in der das Engagement gegen Neonazis gewürdigt und nicht kriminalisiert wird. Wir möchten, dass bo-alternativ.de uns weiterhin so qualifiziert informiert und nicht durch Staatsschutz und Staatsanwaltschaft zensiert wird. Zur Informations- und Meinungsfreiheit gehört auch die freie Artikulation kultureller Ausdrucksformen von Protest und Engagement.

Leider müssen wir damit rechnen, dass Nazi-Aufmärsche wie der, gegen den sich das fragliche Plakat gerichtet hat, kein Einzelfall bleiben werden. In dieser Situation wäre eine Verurteilung von Martin Budich das völlig falsche Signal. Viele Menschen würden dies als schweren Schlag gegen einen friedlichen Protest verstehen müssen, der sich auch gegenüber unerträglichen Provokationen sehr bewusst an diesen Rahmen hält.

Wenn Sie, Herr Staatsanwalt, am ersten Prozesstag ausführten, dass Martin Budich sicherlich nicht in böser Absicht gehandelt hat und vor allem, wenn die Demonstration nachweislich friedlich verlaufen ist, dann ist es für uns kaum noch nachvollziehbar, warum Sie ihre Anklage noch aufrechterhalten.

Wir sind sicher, dass Martin Budich mit der Veröffentlichung des inkriminierten Plakates nicht zur Gewalt aufgerufen hat. Wir hoffen, dass unser Schreiben die Zweifel, die Sie offenbar selbst an Ihrer Anklage hegen, verstärken wird.

Auch wenn wir selbst in dieser Angelegenheit keinerlei Zweifel haben, möchten wir Sie nachdrücklich auffordern zu überlegen, ob der Rechtsgrundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" hier nicht für Sie die Brücke sein kann, um gemeinsam mit uns einen Freispruch in diesem Verfahren zu fordern. Sie würden der Meinungsfreiheit in dieser Stadt damit einen guten Dienst erweisen.

Mit freundlichen Grüßen


weitere Unterstüzungsunterschriften an
lqf@lqf.de
  Der nebenstehende Text ist unterzeichnet von:
Prof. Dr. Reinhart Kößler
Gabriele Riedl
Knut Rauchfuss
Andrea Wulfmeyer
Uwe Vorberg
Valeska Richter-Oldekop
Hubert Gabriel
Barbara Tewes
Horst Hohmeier
Prof. Dr. Ilse Lenz
Reinhard Wegener
Dr. Annette Massmann
Elke Koling
Margitta Kerwien
Dagmar Wolf
Aichard Hoffmann
Stefanie Görtz
Bettina Schiel
Volker Gerwers
Volker Dornemann
Bernd Rohlfs
Gabi Hinderberger
Wolfgang Klinger
Heiko Schwegmann
Ralf Bindel
Dr. Annette Kitzerow
Dr. Martina Nehls-Sahabandu
Axel Lippek
Kolja Schmidt
Mathias Vetter
Claudia Weise
Stefan Noelle
Dieter Welke
Martin Sundermann
Jan Reinecke
Reinhard Junge
Klaus Kunold
Ulrich Lange
Alexander Heinrichs
Bianca Schmolze
Dr. med. Klaus U. Piel
Georg Eberwein
Mareike Richter-Oldekop
Mehmet Dilek
Ruzbeh Sadeghi
Sita Rajasooriya
Susanne Zwingel
Ali Atalan
Hanif Hidarnejad
Andre Kasper
Dr. Sabine Bungart
Thilo Machotta
Hajo Koch
Mag Wompel
Prof. Dr. Michael Krummacher
Tobias Krüger
Morteza Gavahian
Morteza Abdollahi
Kobi Mohseni
Pari Mohseni
Petra Liebherr
Traute Kirsch
Claudia Krause
Wolfgang Rücker
Silke Marzluff
Wolfgang Dominik
Gabriele Beleke
Helen Schwenken
Ulrich Schröder
Ulrich Böcker
Desider Nahlovsky
Silvia Stutzmann
Uwe Paulsen
Hetty Lammert
Christoph Nitsch
Christoph Hassel
Tim Czornohus
Karin Schiele
Thilo Sommer
Francisco Brevis Nuñez
Claudia Freienstein
Dr. Frank Sielecki
Jonas Spiegel
Michael Thull
Peer Wollnik
Ricarda Thrun
Stefan Sonnek
Andreas Schymura
El Hakim
Verena Schuh
Florian Querfurt
Susanne Schäfer
Roman Boukes
Ingo Elbe
Annika Holze
Christoph Jünke
Volker Hamann
Christiana Obermüller
Lutz Berger
Michael Tampier
Törk Hansen
Ralf-D. Lange
Dr. Gernot Rott
Martin Piegeler
Charlotte Ullrich
Catherine Ley
Astrid Platzmann
Gernot Schubert
Dr. Ingrid Schleicher
Silvia Wieandt
Rolf van Raden
Abubekir Saydam
Philipp Unger
Dr. Frithjof Schmidt
Annette Dabs-Baucks
Theo Brackmann
Doris Hucke
Katharina Schubert-Loy
Peter Borgmann
Heiko Jansen
Dominique Bender
Gerlinde Roskam
Rolf Geers
Rainald Oetsch
Guenter Lehn
Annette Schnoor
Thorsten Gersch
Norbert Hermann
Bernd Mehrhoff
Annette Scheidereit
Maria Schaffrin
Jochen Benneker
Dr. Wilfried Korngiebel
Michael Post
Michael Wenzel
Leonard Rothacker
Martin Schmitz
Mengqi Wang
Richard Schmid
Dr. Hans Christoph Stoodt